Montag, 18. Januar 2010
Web 2.0-Gau: Trigami-Kampagne geht für die Süddeutsche nach hinten los
Web 2.0-Gau: Heute ist eine sagen wir einmal deutlich verunglückte Trigami-Kampagne an die Öffentlichkeit gelangt. Der Versuch der Süddeutschen Zeitung, Trigami für eine virale Kampagne zu nutzen, ist nach hinten los gegangen.
Was war passiert?
Jan Tißler vom Upload-Blog hat unter der Überschrift “Peinlich, peinlich: “Süddeutsche Zeitung” kauft sich lobende Blogposts” einen Verriss zu der SZ-Kampagne veröffentlicht. Wie die Überschrift andeutet, geht es in dem Bericht darum, dass die Trigami-Kampagne Blogger aufgefordert hat, “möglichst positiv” über die iPhone App der Süddeutschen zu berichten.
In der Beschreibung bei Trigami war zu lesen: “Nach dem Runterladen der Gold Applikation müsst Ihr bitte einen möglichst positiven Kommentar im App Store hinterlassen.”
… was natürlich gar nicht geht. Schließlich sollen die Bewertungen im App Store ja objektiv sein (was sie allerdings leider sehr sehr selten sind…). Apple macht (soweit es bekannt wird) kurzen Prozess mit falschen Bewertungen bzw. mit diesen betrügerischen Kommentaren im Store.
Ziemlich schnell haben sich dann auch Remo Uherek, Geschäftsführer von Trigami, und Peter Bilz-Wohlgemuth von sueddeutsche.de, eingeschaltet und den Vorfall aufgeklärt. Wer auch immer die Beschreibung zur Kampagne bei Trigami verfasst hat – dass war ein großer Fauxpas, jedoch scheint es mir anders gemeint gewesen zu sein. Zumindest nicht so hart nach Betrug schreiend, wie es jetzt hingestellt wird.
Es wäre meiner Meinung nach Schade, wenn Trigami darüber fällt. Die Idee der bezahlten Reviews ist auf jeden Fall gut. Die Umsetzung hängt jedoch stark an den ausführenden Menschen, hier in diesem Fall schon am Kampagnen-Auslober.
[via Upload]
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Hallo unbekannter Blogger “MacFreak”,
was findest Du denn an Trigami in Ordnung?
Ehrlich gesagt scheinst du wenig über die Ware Information zu verstehen. Es ist ein Vertrauensgut – soll heißen, wer mit Informationen “handelt”, der Lebt davon, dass die Informationsabhehmer im Vertrauen. Nämlich, zum Beispiel, dass seine Informationen nicht “gekauft” oder “tedenziös” sind, sondern neutral und nach wahrhaftigkeit strebend.
Trigami macht das Schaffen der Blogger zu nichte, die nach besagter Neutralität streben. Auf Lange Sicht wird also die glaubhaftigkeit der gesamten Blogger-Szene beschädigt. Und das wiederum führt zu Bedeutungsverlust.
Mit anderen Worten: Trigami trägt seine eignen Kunden zu Grabe. Aber auf dem Weg dagin verdienen sie. Nur finde ich dies nicht sonderlich Nachhaltig.
@DieterP
Hallo Dieter, ich muss dir vollkommen Recht geben, wenn wir das Ergebnis anschauen. Aber du solltest nicht verachten, dass der Ansatz von Trigami ein anderer ist. Ich habe die Jungs, bzw. in einem längeren Gespräch auf der OMD 2008 (wart es glaube ich, oder 2007?), Remo kennen gelernt.
Was im Endeffekt in den Blogs passiert ist folgendes Problem: Einem Journalisten müsste klar sein, wie Redaktionelles und PR bzw. Werbung gertrennt sein muss. (Ich schreibe müsste, denn es gibt viele Beispiele, wo das gar nicht funktioniert!)
Einem unbescholtenen Blogger ist das gar nicht klar, was er tun kann, darf und sollte!
Meist kommt es doch so an: Ich werde für den Eintrag bezahlt, also schleime ich auch kräftig herum und schreibe, was der Kunde hören will!
So sollte es aber nie sein!
Trigami macht nun etwas, was in der Werbebranche üblich ist: Man vermittelt.
Wäre schön, wenn es so einfach wäre, wie du schreibst. Ich bin zu lang “mit dabei”, um zu wissen, wie der Hase läuft. Wenn du glaubst, Informationen und Vertrauen oder Neutralität stoßen einander nicht ab, klingt mir das zu naiv.